Wissenschaftliche Evidenz – zeitgemäß oder unreflektierter Kampfbegriff?

Ein Gespräch mit Dr. Friedrich Dellmour

Dieses Interview soll zum einen über die Grundlagen der evidenzbasierten Medizin (EBM) informieren, andererseits eine Übersicht bieten und eine di erenzierte Bewertung zum Sachstand der medizinischen Evidenz der Homöopathie abgeben. Darüber sprach Andreas Domes, Präsident der Fakom e. V., mit Dr. Friedrich Dellmour, Arzt und Sachverständiger für homöopathische Arzneimittel.

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Mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion der Fachzeitschrift "Naturheilpraxis", Ausgabe 12/2019 + 1/2020"

Randomisierte Studie der Universität Zürich

Studie Schlafapnoe-Syndrom download

Pressemitteilung - Kongress beleuchtet Forschungsstand in der Homöopathie

Homöopathie in der Grundlagenforschung

So berichtete Gregor Kindelmann von seinen Versuchen mit Brustkrebszellen. Er ging im Rahmen seiner Masterarbeit an der University of Central Lancashire (UCLAN) der Frage nach, ob Hochpotenzen homöopathischer Arzneien die Lebensfähigkeit von humanen Krebszellen in vitro verändern. Angeregt hatte ihn eine vielversprechende, aber wenig beachtete Studie aus dem Jahr 2010 von Frenkel et al.1. Kindelmann konnte in seiner Pilot-Studie Hinweise darauf finden, dass bestimmte Arzneien (u.a. Phytolacca und Carcinosinum) in gewissen Potenzierungen die Lebensfähigkeit von Brustkrebszellen beeinflussen können. Er schlussfolgert, dass die homöopathischen Hochpotenzen eine biologische Aktivität entfalten können, die sich nicht mit einem Placebo-Effekt erklären ließe. Die Ergebnisse müssten aber in weiteren Versuchen erst noch einmal bestätigt und weitere Fragen geklärt werden.

Praxis-Depesche 7/2015

Qigong, die chinesische Meditations- und Bewegungsform, findet immer mehr Anhänger. Die Übungen sollen den Qi-Fluss im Körper regulieren und harmonisieren. Aber ist Qigong auch als Krankengymnastik-Ersatz (KG) bei chronischen Rückenschmerzen geeignet?

128 Patienten mit chronischer Lumbago wurden an der Charité in Berlin randomisiert. Das mittlere Alter der Teilnehmer der Studie betrug 48 Jahre. 64 Patienten bildeten die Qigong- Gruppe. Sie nahmen drei Monate lang an zwölf Sitzungen zu je 90 min teil. Die Anleitung erfolgte von einem erfahrenen und qualifizierten Qigong-Therapeuten. Mit den Patienten wurde nach dem Neiyanggong-System geübt, welches aus statischen und Bewegungsübungen besteht (Jing Gong und Dong Gong). In den einzelnen Stunden wurden zunächst 14 Bewegungsübungen für die Wirbelsäule und die Beine auf Basis- Level durchgeführt. Danach machte man sieben Übungen mit mittlerem Schwierigkeitsgrad zur Muskel- und Sehnenveränderung und Qi-Mobilisierung. Die Kontrollgruppe erhielt eine klassische krankengymnastische Therapie von erfahrenen Physiotherapeuten.

In der Qigong-Gruppe reduzierte sich der Schmerz der Patienten nach drei Monaten um 34,8 mm nach VAS (0 bis 100 mm, 0=kein Schmerz, 100=maximal vorstellbarer Schmerz). Die KG führte zu einer Schmerzreduktion um 33,1 mm. Die Studie war statis tisch auf einen Nicht-Unterlegenheitsnachweis für Qigong ausgelegt; dieser wurde verfehlt (p=0,204).

Sowohl Qigong als auch klassische Physiotherapie kann chronische Rückenschmerzen bessern. Ob Qigong dabei genauso effektiv ist wie eine KG, lässt die Studie unbeantwortet.

Quelle Blödt S et al.: Qigong versus exercise therapy for chronic low back pain in adults ... Eur J Pain 2015; 19: 123-31

Link zur Orginalarbeit

Kampf der Ideologen gegen Homöopathie oder wie ideologisches Denken den Patienten aus dem Auge verliert

Schöneck, Februar 2016 - Homöopathie wurde in der Öffentlichkeit schon häufig angegriffen, aktuell wiederholt von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Es fehle ihr wissenschaftlicher Nachweis, sie stelle nur einen Placebo-Effekt dar und hielte Patienten lediglich von der richtigen Behandlung ab, sei im Extremfall sogar lebensgefährlich.

Wie so häufig bei ideologisch agierenden Funktionären, sind diese Vorwürfe allerdings von einer erkennbaren Doppelmoral geprägt: Wenn es um alternative Heilmethoden geht, also um Methoden, die nicht der klassischen Schulmedizin entsprechen, wird ein wissenschaftlicher Nachweis gefordert. Es gibt mittlerweile genügend Wirksamkeitsnachweise und Erfahrungen über homöopathische Wirkstoffe; lediglich nach dem Wirkmechanismus wird wissenschaftlich noch gesucht – eine 2014 veröffentlichte Meta-Analyse belegt, dass die individualisierte Homöopathie signifikant besser als Placebo ist.

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