Praxis-Depesche 7/2015

Qigong, die chinesische Meditations- und Bewegungsform, findet immer mehr Anhänger. Die Übungen sollen den Qi-Fluss im Körper regulieren und harmonisieren. Aber ist Qigong auch als Krankengymnastik-Ersatz (KG) bei chronischen Rückenschmerzen geeignet?

128 Patienten mit chronischer Lumbago wurden an der Charité in Berlin randomisiert. Das mittlere Alter der Teilnehmer der Studie betrug 48 Jahre. 64 Patienten bildeten die Qigong- Gruppe. Sie nahmen drei Monate lang an zwölf Sitzungen zu je 90 min teil. Die Anleitung erfolgte von einem erfahrenen und qualifizierten Qigong-Therapeuten. Mit den Patienten wurde nach dem Neiyanggong-System geübt, welches aus statischen und Bewegungsübungen besteht (Jing Gong und Dong Gong). In den einzelnen Stunden wurden zunächst 14 Bewegungsübungen für die Wirbelsäule und die Beine auf Basis- Level durchgeführt. Danach machte man sieben Übungen mit mittlerem Schwierigkeitsgrad zur Muskel- und Sehnenveränderung und Qi-Mobilisierung. Die Kontrollgruppe erhielt eine klassische krankengymnastische Therapie von erfahrenen Physiotherapeuten.

In der Qigong-Gruppe reduzierte sich der Schmerz der Patienten nach drei Monaten um 34,8 mm nach VAS (0 bis 100 mm, 0=kein Schmerz, 100=maximal vorstellbarer Schmerz). Die KG führte zu einer Schmerzreduktion um 33,1 mm. Die Studie war statis tisch auf einen Nicht-Unterlegenheitsnachweis für Qigong ausgelegt; dieser wurde verfehlt (p=0,204).

Sowohl Qigong als auch klassische Physiotherapie kann chronische Rückenschmerzen bessern. Ob Qigong dabei genauso effektiv ist wie eine KG, lässt die Studie unbeantwortet.

Quelle Blödt S et al.: Qigong versus exercise therapy for chronic low back pain in adults ... Eur J Pain 2015; 19: 123-31

Link zur Orginalarbeit

Kampf der Ideologen gegen Homöopathie oder wie ideologisches Denken den Patienten aus dem Auge verliert

Schöneck, Februar 2016 - Homöopathie wurde in der Öffentlichkeit schon häufig angegriffen, aktuell wiederholt von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Es fehle ihr wissenschaftlicher Nachweis, sie stelle nur einen Placebo-Effekt dar und hielte Patienten lediglich von der richtigen Behandlung ab, sei im Extremfall sogar lebensgefährlich.

Wie so häufig bei ideologisch agierenden Funktionären, sind diese Vorwürfe allerdings von einer erkennbaren Doppelmoral geprägt: Wenn es um alternative Heilmethoden geht, also um Methoden, die nicht der klassischen Schulmedizin entsprechen, wird ein wissenschaftlicher Nachweis gefordert. Es gibt mittlerweile genügend Wirksamkeitsnachweise und Erfahrungen über homöopathische Wirkstoffe; lediglich nach dem Wirkmechanismus wird wissenschaftlich noch gesucht – eine 2014 veröffentlichte Meta-Analyse belegt, dass die individualisierte Homöopathie signifikant besser als Placebo ist.

Harald Walach – Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/O., Deutschland
Artikel aus «Forschende Komplementärmedizin» / Februar 2010 im Karger Verlag
 

Neuerdings ist «Integrative Medizin» modern. Vor Jahren hatte man sich bei der Gründung des National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) am National Institute of Health (NIH) in den USA auf «CAM – Complementary and Alternative Medicine» geeinigt. Nun tauchen überall die «integrativen» Korrekturen auf: medizinische Zentren, Zeitschriften, Forschungsgruppen nennen sich nun lieber «integrativ» als «komplementär-» oder «alternativmedizinisch», vor allem in den USA, aber auch zunehmend bei uns in Europa.
Die Argumentationsstruktur hierfür scheint logisch, vernünftig und überzeugend: Man nehme das aus der alternativ-komplementärmedizinischen Ecke, was sich im Sinne der «evidence-based medicine» als wirksam und brauchbar erwiesen hat, stelle den Patienten und seine Anliegen
in den Mittelpunkt («patient-centred care»), mische das in die vorhandene «beste Praxis», die sich aus der Richtlinienkultur einer unübersichtlich gewordenen Versorgungslandschaft ergibt, rühre so lange um, bis es sich gut gemischt hat und – Zauber, Zauber – man hat Integrative Medizin geschaffen.
Das ist nun eine etwas saloppe Umschreibung dessen, wie die Internetseite des NCCAM und verschiedene Mission-Statements von Akademischen Zentren und Zeitschriften ihre Aufgabe darstellen. Wollen wir einmal – nur fünf Minuten – sorgfältig nachdenken, was hier genau passiert.

Kommentar von Karl F. Liebau

Text mit freundlicher Genehmigung der NATURHEILPRAXIS 1/2015 – Pflaum Verlag

Wenn die Muse medicinae et scientiae mit ihrem Zauberstab einen Vertreter der akademischen Medizin berührt und ihm die Worte „evidence based medicine“ ins Ohr haucht, gerät dieser in aller Regel in einen Zustand der Verzückung, zumindest aber in den einer tiefen Selbstzufriedenheit. Man ist auf der richtigen Seite, der Seite der „Wahrheit“, die eigentlich nur ein wissenschaftliches Dogma darstellt, dessen Wahrheit von heute der Irrtum von morgen sein kann.

Eine psychologische und bildungswissenschaftliche Analyse — Ingeborg L. Weber MSc, Dr. Dimitrios Kampanaros

In seiner Dissertation untersucht Dimitrios Kampanaros mit dieser These, welche Effekte verschiedene Bildungsangebote auf die kognitiven Leistungen älterer Menschen haben und stellt dar, welchen Einfluss die Persönlichkeit auf diese Effekte ausübt. Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie diese Erkenntnisse bei der Planung und Durchführung von Interventionen in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden können. Im Kontext des demographischen Wandels werden diese Überlegungen immer wichtiger. Auch diese Arbeit zeigt, was weltweite Studien belegen, dass der gesundheitliche Status abhängig von der Bildung ist.

weiterlesen im PDF TEIL 1http://www.anme-ngo.eu/images/sampledata/anhang.gifTEIL 2http://www.anme-ngo.eu/images/sampledata/anhang.gif

Unterkategorien