Politische Definition von “C A M”

ANME engagiert sich für
die CAM in Europa

DIE "NACHT DER NATURHEILKUNDE" AM 30. JANUAR 2021

"Nacht der Naturheilkunde"
Dr. Uwe Peters im Interview mit Nora Laubstein, Präsidentin von ANME.

"Nacht der Naturheilkunde"
vom 30.01.2021
Dr. Uwe Peters im Interview mit Nora Laubstein, Präsidentin von ANME.

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Europaweite explorative Studie über Bekanntheit und Verwendung von Begrifflichkeiten für unterschiedliche Angebote und Dienstleistungen am Gesundheitsmarkt 2020/2021

Zusammenfassung von Susanne Löhner-Jokisch – Renate Köchling-Dietrich

Es gibt keine Einheit in den Bezeichnungen. Die inhaltliche, konzeptionelle und methodische Vielfalt lässt sich nicht unter einem wissenschaftlichen oder gesundheitspolitischen Begriff zusammenfassen. Dies steht im Gegensatz zum gleichzeitig ausgeprägten Wunsch nach gemeinsamer Basis und Akzeptanz. Hier besteht dringender Handlungsbedarf aller Betroffenen.

In der Politik wird die von ANME e.V. – der Association for Naturale Medicine in Europe – benutzte Bezeichnung „CAM“ in den letzten Jahren immer weniger häufig verwendet. Heute wird häufiger von „CM“ („Complementary Medicine“), „IM“ („Integrative Medicine“) oder – in Anlehnung an die Bezeichnungen der World Health Organization „T&CM“ („Traditional and Complementary Medicine“) verwendet. Aus diesem Wandel im Sprachgebrauch ist die Idee einer Befragung entstanden, die dazu beiträgt zu klären, welche konkreten Bezeichnungen die Mitglieder sowie andere teilnehmende Anbieterinnen und Dienstleisterinnen verwenden und welchen Standpunkt ANME e.V. in der europäischen Politik künftig einnehmen und vertreten kann.

Dabei wird die Jetzt-Ist-Situation für ANME e.V. annähernd abgeklärt ohne Anspruch auf Vollständigkeit einer umfassenden, flächendeckenden Befragung. In einer explorativen Stichprobe mit denjenigen, die konkret erreicht werden, geht es darum, Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Trends zu erfragen, zu erkennen und zu beschreiben, um anschließend aus den Erkenntnissen weitere Notwendigkeiten abzuleiten.

Damit verbunden ist die Einladung von ANME e.V., gemeinsam an den Grundlagen eines erweiterten Gesundheitsverständnisses zu arbeiten sowie selbst aktiv zu werden und sich (vor allem politisch) einzubringen.

Allgemein:

Die Befragung wurde mit zwei Online-Fragebogen durchgeführt, sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache. Es gab quantitative und qualitative Fragen. Eine Grundgesamtheit lässt sich nicht bestimmen. Die Verteilung des Fragebogens erfolgte über ANME e.V. an Mitglieder, verbundene Institutionen und Vereinigungen.

676 Fragebogen sind in der Auswertung berücksichtigt worden. Deutschsprachiger und englischsprachiger Fragebogen stehen im Verhältnis 6:1 zueinander.

Wie sich in der Befragung gezeigt hat, haben alle Teilnehmerinnen ein großes Interesse gehabt, ihren eigenen Standpunkt mit allen Facetten darzulegen. Dazu wurden die Textfelder umfassend genutzt. Die Teilnehmerinnen haben an dieser Befragung – nachdem sie sich entschlossen hatten, den ganzen Fragebogen zu absolvieren – sehr konsequent teilgenommen. Im Rahmen der qualitativen Auswertung ist dabei auffällig, dass sich viele Aussagen wiederholen. Die Beiträge betonen redundant das jeweilige Verständnis von Gesundheit und die jeweils individuelle Eigenart des Angebotes, also wie sich Einzelne verstehen, ihr Tun beschreiben und wie/wo sie sich einordnen. Daraus ergibt sich ein Kaleidoskop von Meinungen, Einschätzungen, Beurteilungen und Zielsetzungen. Dies zeigt sich beispielsweise in der jeweiligen Rubrik „Sonstiges“ bei den Fragen nach den bekannten und den verwendeten Bezeichnungen/Begriffen:

Befragung Abb 011

Ergebnisse im Einzelnen

Befragung Abbildung 02

Die allen bekannten und von allen verwendeten Bezeichnungen unterscheiden sich sowohl hinsichtlich der Zahl der Nennungen als auch im adjektivischen und substantivischen Gebrauch sowie entsprechend der Teilnehmergruppe. Grundsätzlich sind viele Begriffe bekannt, werden aber nicht alle zur Beschreibung der jeweiligen Dienstleistungen und Produkte verwendet. Hier lassen sich Schwerpunkte bilden, z. B. unter den Stichworten „Gesundheit“ oder „Tradition“.

Befragung Abb 03

Befragung Abb 04

Sowohl bei der quantitativen als auch qualitativen Befragung zeigt sich der große Wunsch nach einer allgemeingültigen Bezeichnung, die jedoch zugleich einen Bezug zur individuellen Tätigkeit haben sollte. Dieser Wunsch wurde in weiteren Antworten zusätzlich bestärkt. Auch die Frage nach der Bedeutung der Bezeichnung für die alltägliche Arbeit wurde vorwiegend mit „groß“ und „sehr groß“ beantwortet.

Befragung Abb 05

Abbildung 3: Bedeutung der Bezeichnung für die tägliche Arbeit, N=482.

„CAM“ ist noch immer eine sehr beliebte Bezeichnung, dicht gefolgt von der Auswahlmöglichkeit „T&CM“. Die von der Politik verwendeten Begriffe werden von einem knappen Viertel der Teilnehmerinnen komplett abgelehnt bzw. hier konnte „keine Zuordnung“ erfolgen.

Befragung Abb 06

Abbildung 4: Zuordnung der Teilnehmerinnen zu den in der Politik üblichen Bezeichnungen, N=519

In den Begründungen zu „keine Zuordnung“ wird die Unzufriedenheit mit den vorgeschlagenen Bezeichnungen betont, da die Teilnehmerinnen darin ihren Schwerpunkt, ihre Ausrichtung und / oder ihr Verständnis von Gesundheit nur ungenügend wiederfinden.

Bemerkenswert ist die geringe Zustimmung zu „Naturopathie“ und die hohe Zustimmung zu „Integrative Medizin“. Darüber hinaus hat sich eine insgesamt ausgesprochen positive Einschätzung der eigenen Perspektive gezeigt.

Befragung Abb 07

Abbildung 5: Einschätzung der eigenen Zukunft auf dem aktuellen Gesundheitsmarkt, N=486

Aus allen Ergebnissen lässt sich aufzeigen – abgesehen davon, dass eine weitere oder erneute Befragung völlig anders aussehen würde –, dass

  • der Wunsch nach tätigkeitsbeschreibenden und allgemeingültigen Begrifflichkeiten sehr groß ist und
  • eine Zuordnung und Zusammengehörigkeit für den Auftritt/die Darstellung am Gesundheitsmarkt gewünscht ist.

Ergänzungen zur qualitativen Auswertung

Die Auswertung der Fragen mit qualitativem Charakter haben folgende Erkenntnisse erbracht (eine Auswahl):

  • Die große Anzahl der Teilnehmenden kennt die in der Befragung genannten Begriffe. Durch Äußerungen wird jedoch deutlich, dass die Begriffe nicht übereinstimmend definiert sind.
  • Die Bedeutung der konventionellen Medizin und eine Zugehörigkeit dazu wird sehr unterschiedlich gesehen, dies führt zu gegensätzlichen Betrachtungs-, Vorgehensweisen und zu ab- aber auch ausgrenzenden Formulierungen der jeweils anderen Tätigkeit.
  • Der Wunsch nach „Vereinheitlichung“ von Begriffen ist bei den meisten Teilnehmenden in einem hohen Maß vorhanden. Sie möchten Bezeichnungen mit hohem „Wiedererkennungs- und Übereinstimmungs-Wert“, der Menschen von nicht-klassisch-schulmedizinischen Methoden zusammenbringt, verbindet und stärkt.
  • Die Betonung der eigenen Besonderheiten, die individuelle „Bewertung“ und „Einordnung“ anderer Methoden, Inhalte oder Schwerpunkte ist gleichfalls von hoher Bedeutung.

Gerade die individuelle Ausformung der jeweiligen Tätigkeit und das dazugehörige Bewusstsein für jede Teilnehmerin, für jeden Verband, für jedes Unternehmen ist von besonderer Bedeutung. Mit den in diesem Fragebogen verwendeten Kategorien, Begriffen und Zuordnungen konnten nicht alle individuellen Bedeutsamkeiten erfasst werden.

Die große Breite der Äußerungen und die damit verbundene Diversität lassen erkennen, vor welchen Herausforderungen nicht nur ANME e.V. als Nichtregierungs- und Non-Profit-Organisation steht, sondern alle Vereine und Verbände, in denen sich Menschen organisieren, die auf dem zweiten und dritten Gesundheitsmarkt tätig sind.

 Empfehlung

Auf der Suche nach einer gemeinsamen methoden- und vielleicht sogar Heilsystem-übergreifenden Basis müssen Fragen zum Gesundheitsverständnis und zum Behandlungsansatz gestellt werden, besonders inwieweit dieses Verständnis die Aktivitäten und Angebote auf dem Gesundheitsmarkt bestimmt.

Im Anschluss an CAMbrella und andere Aktivitäten braucht es eine Kooperation aller Betroffenen, um nicht nur einen Klärungsprozess bezüglich von Bezeichnungen und Definitionen zu initiieren, sondern auch eine gesundheitspolitische Zielrichtung herauszuarbeiten. Die Auswertung der Befragung kann Grundlage sein, um Beteiligte und Betroffene anzuregen, über die Notwendigkeit des gemeinsamen Auftretens ganzheitlicher Methoden und Angebote (außerhalb der konventionellen Medizin) nachzudenken und weiter aktiv zu werden.

Um der großen Zahl der Anbieterinnen gerecht zu werden, braucht es auch deren Beteiligung und Einbezug in gesundheitspolitische Prozesse, eine kraftvolle Beschreibung und Positionierung der eigenen Anliegen und das daraus resultierende aktive Eingreifen in die Politik.

Dafür ist, angesichts derzeitiger und zu erwartender politischer Entwicklung, die Bereitschaft und Fähigkeit, gemeinsame Anliegen zu formulieren und in gemeinsames Handeln umzusetzen, unumgänglich.

Voraussetzung wäre, dass die Anbieterinnen bereit sind daran mitzuwirken, ihr Angebot zukunftsfähig zu gestalten und zu formulieren, die Chancen der Gesundheitswirtschaft zu identifizieren und zu nutzen.

Damit würde ein wichtiger Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der Methoden und Angebote geleistet, für ihre Qualitätssicherung sowie die Aus- und Weiterbildung.

Die nächsten Schritte:

  1. Einvernehmen schaffen – um gemeinsam an der Übereinstimmung von Begriffen zu arbeiten, die sowohl Tätigkeit als auch Gesundheitsverständnis der jeweiligen Anbieterinnen beschreiben.
  2. Gründen eines Think Tank – für einen Klärungsprozess zu Begriffen/Definitionen, und welche Ausrichtung beabsichtigt ist. Der Suche nach gemeinsamen Formulierungen muss eine Übereinstimmung in den Definitionen vorausgehen und welche gesundheitspolitischen Absichten mit diesem Begriff verfolgt werden sollen/wollen.
  3. Marktforschung betreiben.
  4. Gemeinsame Ziele formulieren und Prioritätenliste erstellen.

Anregungen für die weitere Vorgehensweise ergaben sich aus den Ergebnissen der Befragung und können im Detail in der ausführlichen Auswertung nachgelesen werden.

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